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Im schwarzen Winkel – Ravensbrück 2007

OBF-Schüler mit einer Druckpresse auf den Spuren von Sinti und Roma in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Mit der Druckpresse im Gepäck reisen 13 Schülerinnen und Schüler in das ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Eine Woche lang beschäftigen sie sich dort mit dem nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma. Dabei erfahren sie nicht nur etwas über Einzelschicksale und Haftbedingungen, sondern bearbeiten das Thema auch auf ihre Weise: Im Hochdruckverfahren entstehen großformatige Grafiken.

Die Gruppe, geleitet vom Fachpraxislehrer Ingo Grollmus, bereitete diese Woche intensiv vor und recherchierte in Berlin-Marzahn und Sachsenhausen. In Marzahn errichteten die Nationalsozialisten 1936 ein „Zigeuner”-Lager, von dem aus sie sieben Jahre später die meisten Insassen nach Auschwitz-Birkenau deportierten und ermordeten. In der Gedenkstätte Sachsenhausen berichtete Frau Dr. Astrid Ley vom Weg der Sinti und Roma in die Konzentrationslager. Außerdem traf die Gruppe Petra Rosenberg vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. Sie schilderte die Geschichte ihrer Familie und beschrieb das langjährige Ringen um die Anerkennung der Sinti und Roma als Verfolgte des Nationalsozialismus.

Pädagogisch betreut wird das Projekt von der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, unterstützt wird es von QuaBS e.V., gefördert wird es von respectABel, dem Berliner Förderprogramm für Demokratie und Toleranz, gegen Gewalt und Rechtsextremismus, sowie der Bundeszentrale für politische Bildung.

Text: Katharina Lorch
Fotos: Katharina Lorch, Werkstatt 0305

 

Tag 1: 25. Juni 2007

Gut angekommen und alle sind wohlauf!

Zwölf Fotos haben wir auf dem Gelände der Gedenkstätte gemacht und sie uns von Heide, der Pädagogin hier, erklären lassen. Die Skulptur auf dem Foto links heißt die Tragende. Der Künstler Willi Lammert gestaltete sie nach der Geschichte zweier Frauen im Lager: völlig entkräftet brach eine Frau zusammen und eine andere – die Tragende – hob sie auf und rettete ihr so vermutlich das Leben ... 15 Jahre nach der Befreiung der letzten Überlebenden im Januar 1945 wurde die Skulptur aufgestellt – mit Blick über den See, der die Asche der Ermordeten bewahrt.

 

 

 

 

Tag 2: 26. Juni 2007

Gekochte Kartoffeln bedeuten Hoffnung!

Wir haben Erzählungen und Dokumente von Sinti und Roma in der Gedenkstätte aufgespürt. Es ist schwer, sich Leid, Elend oder überhaupt Hoffnung im Lager vorzustellen. Einen Sinto, der Ravensbrück überlebt hat, wollten wir eigentlich treffen. Walter Winter ist sein Name. Leider ist er zu krank um zu kommen. In seinem Buch erzählt er, dass es fast nichts zu essen gab. Die Gefangenen versuchten daher, Essen zu klauen und wenn sie etwas zu essen bekommen haben, zum Beispiel Kartoffeln, dann ging es ihnen gut und sie hatten etwas Warmes im Bauch.

Nachmittags entwarfen wir Vorlagen für das Drucken. Auf Taevnas Bild findet sich die Geschichte von den Kartoffeln wieder. Morgen fertigen wir die Druckformen an.

 

Tag 3: 27. Juni 2007

Schreiben, Malen, Erinnern

Rot, Gelb, Blau – viele Farben bündeln sich auf Ceija Stojkas Bildern zu Menschen, Häusern und Wiesen; und zu Lagerszenen. Wir haben die Geschichte der Malerin zurückverfolgt: Leben im Wagen, Verschleppung nach Ravensbrück und andere Konzentrationslager, wieder im Wagen und schließlich nach Wien, wo sie heute lebt. Sie war ein Kind und Romni, deswegen verschleppten die Nationalsozialisten sie und ihre Famile. Sie hat überlebt und viele Jahre später begann sie zu malen. Ihre Bilder helfen zu erinnern – an Sinti und Roma und an das, was ihnen widerfahren ist und immer noch widerfährt.

Unsere Druckformen sind nun fertig, die erste Farbe getestet und morgen, morgen endlich drucken wir unsere Bilder – mit viel Grau und Schwarz, aber nicht ohne Farbtupfer.

 

Tag 4: 28. Juni 2007

Die Presse rollt

Die Garage der Gedenkstätte ist zur Werkstatt umfunktioniert. Die Tische sind mit Folie abgedeckt, die Farbtöpfe und Spachtel liegen und der weiße Bogen wartet – auf uns. Wir sind heute Künstler und Zeugen dieses Ortes. Die Walze presst die Farben aufs Papier. Dort entstehen Geschichten, Eindrücke und Gedanken zur Geschichte des Lagers und zu den Menschen, die es durchlitten haben. Dann kommt die nächste Gruppe. Neue Farbe mischen, auf die Druckform auftragen, Walze schieben, neu einfärben. Zwischendurch kommen zwei Reporter, stellen uns Fragen, machen ein paar Fotos, fahren wieder ...   

Jetzt ist die Werkstatt aufgeräumt, das Radio scheppert nicht mehr und wir sind müde. Bilder mit Angst, Hoffen und Schmerz liegen nun im Trockengestell und warten, dass wir sie ausstellen: hier, in Ravensbrück und im Herbst im Berliner Abgeordnetenhaus.

 

Tag 5: 29. Juni 2007

Aufbruch

Zwischen Zimmer aufräumen und packen hatten wir noch ein paar Momente, die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen: Feedbackrunde und letzte Diskussionen – alle fanden, sie hätten vieeel mehr Zeit zum Drucken gebraucht. Trotz der Aufbruchstimmung konnte jede Künstlerin und jeder Künstler sein Bild noch der Gruppe vorstellen und erklären. Manche Fragen konnte niemand so recht beantworten. Was die Bilder sagen und von Ravensbrück erzählen, liegt im Auge der Betrachtenden ... DANKE für die intensive, traurige, aber auch schöne Zeit!